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liebe verstehen

ich stelle mir vor, wie du
der beginn dieses gedichts bist

ich stelle mir vor. wie der regen es
an dein fenster schreibt

wie deine haut den duft
der erde atmet –

liebe verstehen

es genügt nicht
die wertvollsten gärten unserer hoffnung
in den himmel zu säen

es genügt nicht
die zukunft aus der blüte
einer rose zu lesen

liebe verstehen

in der art wie dornen
ihre rose beschützen

nicht zulassen. dass der mond
seinen schläfrigen kopf
auf unser dach legt

& unsere worte
im nachthimmel
verglühen

ihnen folgen. wo immer sie auch hinführen
alles hören. wie den pfeil
bevor er trifft –

unser herz schälen
schicht für schicht

sehen
was darunter
liegt

herz
unter
herz

© Rea Revekka Poulharidou

höhlengeflüster

da ist ein flüstern. eingemeißelt
in den wänden der tiefsten höhlen

geschaffen von einem fluss.
der kein fluss mehr ist

einst gab es dort auch sterne.
an einem anderen himmel

da ist ein flüstern. es kehrt zurück
in einem anderen flüstern

dunkelheit wiederholt sich selbst
bis zum licht

wie der wind. der den wind
wegweht

© Rea Revekka Poulharidou

streichholzlicht

ich liebe es nachts
im goldenen streichholzlicht
deine gesichtszüge zu erkunden

sekundenlang
den mikrokosmos
deines liebeszaubers
erhaschen

entdeckerin sein
einer wilden landschaft
die ich niemals zähmen will

wir hören den regen prasseln
spüren die wirklichkeit
eines traums

ahnen – noch bevor
das streichholz ausgeht
die flüchtigkeit der zeit

© Rea Revekka Poulharidou

november

das licht. winterlicht
du spürst es. noch bevor du
die augen öffnest

jetzt ist es zu spät. dich
vorzubereiten. auf diese graue
fantasielose traurigkeit
die den raum ausfüllt

es ist noch nicht winter. doch
das licht ist es.
winterlicht

& du bist allein.

schließlich stehst du auf
bemerkst wie dich dein körper
trägt & hast nicht das herz
sein einsames leben
zu verfluchen
sein leiden
an kälte
an winterlicht
das durch jede ritze dringt

& dann umarmst du ihn
so fest. wie  jemanden
der zu dir kommt

mitten in der nacht
unter tränen

© Rea Revekka Poulharidou

zwischenwelt

es gibt räume
du wirst sie nie betreten

laternen flackern dort
von einer dunkelheit
in die nächste

straßen
. richtungslos

jemand huscht vorbei
. unwichtig

gestutzt
. wie der baum

vor deinem fenster

ein telefon klingelt
. leise

deine uhr geht
. rückwärts

&

du fragst nach dem schlüssel
zu all dem

kupfermünzen tragen
dein gesicht. zerkratzt

wie dein name
im spiegel

© Rea Revekka Poulharidou

du fragst

du fragst ob ich dich liebe –
jedes wort ist eine kreuzung

manche wege verlieren sich in der dunkelheit
auf der straße des herzens gibt es barrikaden
nie hätten wir sie erahnt

die liebe sitzt im boot mit allen anderen
flüchtlingen. der wind führt das steuer

wie schnell kann sie sich auflösen
eine kreidezeichnung im regen
jeder kuss ein verlust

liebe. sehen
kannst du sie nicht
ohne zu sterben

© Rea Revekka Poulharidou