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nachtspaziergang

ein großer goldbrauner falter
mit je einem auge auf jedem flügel
schläft. im herzen einer sonnenblume

ab und an bewegen sich seine fühler. kreisen –
er & ich sind allein. auf dieser kaum beleuchteten straße

seine fühler. vielleicht bewegt sie der wind
oder meine anwesenheit. die er in seiner
entrücktheit wahrnimmt

unfähig sich zu entscheiden ob jemand
wirklich hier ist oder nicht. verbunden

mit einem völligen desinteresse. da er ihn
gefunden hat. seinen goldenen tempel
mit den millionen räumen

dämmerung. blau in der ferne
es hellt auf –

bald ist sie vorbei
die nacht

& ich möchte
dies alles nicht beenden

letztlich gehe ich zurück
ins haus.

betrachte dich. sehe

wie sich die goldenen blütenblätter
deiner augen bewegen. kreisen
sich öffnen

weite pupillen
begegnen einander
unentschieden

wer oder was wir
wirklich sind

© Rea Revekka Poulharidou

weg

der weg einwärts ist immer länger
als der weg auswärts. auch wenn es
derselbe ist

ich möchte einen alten weg finden
einen weg des alten jahrhunderts
überwachsen & kaum erkennbar

ich will ihn im süden haben
einen mauleselpfad
in den bergen

oleander
wilde früchte
thymian überall

olivenbäume
auf dem weg

warmes licht lobeerbüsche
klatschmohn

der pfad führt bergab
ich folge ihm

er führt hinab &
verschwindet

ich folge
ihm

© Rea Revekka Poulharidou

nicht weit von hier

nicht weit von hier
ein meerblaues haus

dort leben wir
du & ich

im garten blüht ein baum
unvergänglich weiß

unter seinen zweigen
liegen wir im gras
erzählen uns

wie wir einst
in magischen welten
lebten

gaukler waren
bettler könige –

du lachst.
nichts davon ist wahr.
nie begegneten wir einander.

doch an tagen wie heute
wenn alles fehl am platze scheint
stelle ich mir das alles vor

&

wenn du
für einen moment
inne hältst

die augen
von diesen zeilen
hebst

siehst du vielleicht
auch dasselbe
wie ich

© Rea Revekka Poulharidou

himmel in dir

himmel in dir - Briefgedicht von Rea Revekka Poulharidou

himmel in dir (55)

jeder himmel beginnt
in dir

heute pflückte ich den mond
wie einen reifen pfirsich –

als ich dich sah
erklärte ich die zeit für illegal

es gibt noch zahllose echos für das
was ich dir nicht sagte & blumen

die sich über träume wiegen &
zweige die wie eine wünschelrute

auf eine lücke zeigen
tief in mir

© Rea Revekka Poulharidou

garten

die nacht öffnet ihr bestirntes bilderbuch: waage, schütze, ein geflügeltes pferd
& unzählige kilometerweit nördlich, weiß ich – du siehst sie auch

das haus ist leer. nur die kaffeflecken auf dem tisch blieben
vom frühstück zurück

es hilft daran zu denken, wie wir in einem üppigen garten leben
kein grund, sich wie ein rohrspatz zu benehmen
uns um sonnenblumenkerne zu streiten
wenn der garten doch voll ist
mit reifen früchten

der wind bläst die brotkrumen wer weiß wohin
während die granatäpfel bereits
lockend auf uns warten
es ist viel

viel mehr als wir je bräuchten

© Rea Revekka Poulharidou