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saudade

du löschtest
das licht

seitdem vergingen einige sommer
unsere briefe. irgendein fluss
trug sie fort

nur aus gewohnheit
erzähle ich dir manchmal
von einem freund, einem park
einem buch –

meine tage & nächte sind der fado
eine unaufhörliche saudade
eine erinnerung an etwas
das hätte sein können

doch niemals
geschah

© Rea Revekka Poulharidou

du fragst

du fragst ob ich dich liebe –
jedes wort ist eine kreuzung

manche wege verlieren sich in der dunkelheit
auf der straße des herzens gibt es barrikaden
nie hätten wir sie erahnt

die liebe sitzt im boot mit allen anderen
flüchtlingen. der wind führt das steuer

wie schnell kann sie sich auflösen
eine kreidezeichnung im regen
jeder kuss ein verlust

liebe. sehen
kannst du sie nicht
ohne zu sterben

© Rea Revekka Poulharidou

september

die wiese ist noch grün. grün.
ein vogel zwitschert. einmal.
oder zweimal.
stille

nichts kommt. nichts geht.
die pforten des meeres sind verschlossen.
nur der himmel ist noch wach. doch
kein mond geht auf.

warten. auf den morgen.
die sonne sehen. es genügt.
die sonne sehen

wenn  auch nur. hinter
einem fenster

© Rea Revekka Poulharidou

nachtnotizen

meine nachtnotizen
ein almanach der späten stunden

Ikarus fiel. vor langer zeit
die sonne im rücken

hinter dem berg
kaum licht. das blatt
nicht zu sehen. nicht wirklich

weniger noch die vorstellung
wie es geschehen sein könnte

der blasse junge
am heißen wachs verbrannt
vom wind gekühlt

das wasser. wie aus dem nichts
so willkommen. eine plötzliche
ohnmacht

so viele leben seitdem
alle ähneln einander
alles lichtfänger

himmels-
stürmer

© Rea Revekka Poulharidou

beginn & ende

warm & mild ist der abend
majestätische wolken
auf blauen thronen

vorbehaltlos schlängelt sich
der fluss unter der
brücke

es ist eine gnade
betrachter dieser
szenerie zu sein

gleich mich mit diesen worten aus

sagte ich sie je zuvor?
genauso sagte ich sie.
sagte sie.

werde ich sie je wieder sagen?
wer weiß, was der kummer
in unser herz schnippt

ich schrieb über den vollmond
halbmond viertelmond
neumond

heute ist wieder vollmond &
ich werde ihn nicht betrachten

alles hat ein ende
& einen beginn

bring das gleichgewicht zurück Herr
schick es zurück
an den beginn

© Rea Revekka Poulharidou