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auf dem weg

1

es war als bekäme ich einen liebesbrief von einer blume

die augen geschlossen. für immer. dich finden —

da ist ein leben
könnte ich es haben. ich wählte es. von anbeginn

2

lange nächte kurze jahre
stille

wenn der morgen kommt
und schmerz —

ist niemand ein fremder. die ganze welt ist dein zuhause

3

tage an denen der mandelbaum nicht blüht und die ameise sich selbst in den bau schleppt.

doch, wenn Du selbst aus dem nichts eine sonne erschaffen kannst. so kannst Du auch mich aufrichten

4

wasserland
akazienblühender regen

noch schlafen die bienen
im herzen des gartens

goldene umarmungen
im summenden wind

sobald sie die sonne
berührt —

und um mich kreist ein wort
das lang verloren war

leben

© Rea Revekka Poulharidou

erneut träumte ich

erneut träumte ich
du seist hier

& wachte im sicheren glauben auf
es sei deine stimme

liebe ist honig
liebe ist wein

denke nie
ich sei weit entfernt

sagtest du
im traum

ich wachte ein wenig mehr auf
& erinnerte mich

du am fluss. am see. am meer

ich wartete
bis ich

deinen atem spürte
deine stimme hörte

ich lag lang
& vergaß

© Rea Revekka Poulharidou

schreiben

weil du liest

weil du mir am nächsten
& entferntesten bist

weil wir uns vermissen
seit wir uns zuletzt sahen

weil deine finger
meine zeilen berühren

weil worte geheimnisse sind
die sich wortlos begegnen

weil wir einander über raum & zeit
erkannten

weil wir ein neues wort brauchen

weil wir einander lieben
seit es uns gibt

weil du jedes kleinste detail von uns
siehst & mit liebe tränkst

weil worte ein brennglas sind
& gedanken in brand setzen

weil wir einander sicher waren
weil wir aneinander zweifelten

weil sicherheit & zweifel
einander fressen

wegen eines flusses &
eines sees

weil wir keine worte brauchen, um uns zu hören
nicht einmal eine zunge. nicht einmal einen körper

weil ich einen stift halte & es nacht wird
& die tinte mein herz ist

weil wir leben

weil du liest

© Rea Revekka Poulharidou

spät

by Rea Revekka Poulharidou

berg – gestärkte dunkle falten
vögel – die schwarze seite
umgeblättert

die botschaft zusammengefaltet
auseinandergefaltet

während sich die seite
wendet, von innen nach außen
während die botschaft an dir
vorbeizieht

wünscht du
dass der tod gibt
& nicht nur
nimmt

© Rea Revekka Poulharidou

erinnern

by Rea Revekka Poulharidou

erinnern.
nur an das licht. nach dem ich dürstete
an das leidenschaftliche flüstern
das beben unserer herzen
nur an das gebet der seele
den blühenden garten
die erde

& an die sonne. die meinen hunger
stillte
nach licht

erinnern.
nur an die worte
der liebe

© Rea Revekka Poulharidou

 

worum es geht

worum es geht - Briefgedicht von Rea Revekka Poulharidou

worum es geht (26)

wie oft wird die wahrheit entstellt
nur um sie erträglich zu machen?

die nachrichten sind voll davon

ich wünschte. kein neugeborenes
müsste mehr diesen horror sehen

eine rose verwelkt. eine andere erblüht

jedes kriegsdenkmal versucht zu sagen
was nicht gesagt werden kann

unsere lager sind voll. mit gefühlen
selten berühren wir sie

manchmal zittert mein schatten
ohne mich

manchmal fällt das morgen
auf gestern

doch darum geht es jetzt nicht

worum es geht. hat mit den augen zu tun
die sich abwenden

wieso wiegt eine träne nur mehr
als die ganze welt?

© Rea Revekka Poulharidou