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wenn ahnungslos

die stille
im ungesagten
berühren

doch wenn ahnungslos und kalt
der tag anbricht. ein vogel
durch das fenster fliegt &

dir eine szene zurück bringt in einer glaskugel
& sich der gedankenstrom in staub auflöst
der geruch von erloschenem feuer über
herbstliche straßen treibt

ist es schwierig zu schreiben
über das wahre bild. die wahre hand.
das herz.

den zusammenhang erklären
eines einfachen satzes –

die stunde. der schatten. das feuer.
die blume auf dem tisch

schwierig unter der sonne ein wort zu wiegen
bis es ausgeglichen ist
mit liebe

© Rea Revekka Poulharidou

november

das licht. winterlicht
du spürst es. noch bevor du
die augen öffnest

jetzt ist es zu spät. dich
vorzubereiten. auf diese graue
fantasielose traurigkeit
die den raum ausfüllt

es ist noch nicht winter. doch
das licht ist es.
winterlicht

& du bist allein.

schließlich stehst du auf
bemerkst wie dich dein körper
trägt & hast nicht das herz
sein einsames leben
zu verfluchen
sein leiden
an kälte
an winterlicht
das durch jede ritze dringt

& dann umarmst du ihn
so fest. wie  jemanden
der zu dir kommt

mitten in der nacht
unter tränen

© Rea Revekka Poulharidou

saudade

du löschtest
das licht

seitdem vergingen einige sommer
unsere briefe. irgendein fluss
trug sie fort

nur aus gewohnheit
erzähle ich dir manchmal
von einem freund, einem park
einem buch –

meine tage & nächte sind der fado
eine unaufhörliche saudade
eine erinnerung an etwas
das hätte sein können

doch niemals
geschah

© Rea Revekka Poulharidou

du fragst

du fragst ob ich dich liebe –
jedes wort ist eine kreuzung

manche wege verlieren sich in der dunkelheit
auf der straße des herzens gibt es barrikaden
nie hätten wir sie erahnt

die liebe sitzt im boot mit allen anderen
flüchtlingen. der wind führt das steuer

wie schnell kann sie sich auflösen
eine kreidezeichnung im regen
jeder kuss ein verlust

liebe. sehen
kannst du sie nicht
ohne zu sterben

© Rea Revekka Poulharidou

september

die wiese ist noch grün. grün.
ein vogel zwitschert. einmal.
oder zweimal.
stille

nichts kommt. nichts geht.
die pforten des meeres sind verschlossen.
nur der himmel ist noch wach. doch
kein mond geht auf.

warten. auf den morgen.
die sonne sehen. es genügt.
die sonne sehen

wenn  auch nur. hinter
einem fenster

© Rea Revekka Poulharidou