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nachtgedanken

in der einen hand
die dunkelheit

in der anderen
einen flügel

als wahl

das ist es
worin alle geheimnisse liegen –

der weg hinein ist verschlungen
& einfach. sagen sie

der weg hinaus jedoch
mühsam

schwierig darüber zu reden
gerade jetzt. wenn

der mond in seiner pracht
hinter den fichten erscheint

& endlose hoffnung
verspricht

© Rea Revekka Poulharidou

frühling

frühling kam dieses jahr
sehr spät

& auf einmal war er
da

milde klare
tage

zärtliche abende
bäume nah an nah

strecken sich
rasant in die höhe –

ich male sie
in meine augen

male sie mit
freude & kummer

dass wir nicht gemeinsam
hier sind

& uns auch so
aneinanderlehnen

& zusammenkommen
wie alles lebendige

zweige treiben aus
vollgepackt mit knospen

& dein versprechen liegt
auf meinen sinnen

mehr als alles andere
mehr als alles

© Rea Revekka Poulharidou

3 worte

gedankenverloren
blättere ich seite für seite um

das alte buch
erich fried – liebesgedichte

ein zettel darin
deine schrift

3 worte
ich vermisse dich

ich werfe den kopf in den nacken
berühre die stuhllehne. so wie damals

als wir gemeinsam
lachten weinten

& mein kopf nimmt die form
deines antiken ovals an

& mein gesicht
wird zu deinem gesicht

weich geschwungen
von der stirn bis zum kinn

& für einen augenblick
bin ich du

& weiß
es ist gut

wie es
ist

© Rea Revekka Poulharidou

vor langer zeit und weit entfernt

by Rea Revekka Poulharidou

wassermenschen
wasser über wasser. rauschen
klänge. musik

wer liebt das nicht?

vielleicht nur wüstenmenschen
ihre saiten sind über dünen & täler
gespannt

& wer könnte je kummer
willkommen heißen? oder
die traurigkeit der einsamkeit?

ich weiß es nicht
schsch … still

es gibt dinge über die nicht
gesprochen oder gedacht
werden kann

© Rea Revekka Poulharidou

fotografie

by Rea Revekka Poulharidou

sieh
dein gesicht
in einem besonderen
augenblick

& diese augenlider
aus licht

der mund
bereit etwas zu sagen
worauf wir schon immer
warteten

die haut
rosig & makellos

wir sind heute die einzigen
die nicht sehen können
was sich veränderte

ein augenblick folgte
dem anderen. glich dem
davor & danach

der puls des lebens –
dann fremdheit

alles ist
wie es war

alles ist
anders

© Rea Revekka Poulharidou

es war einmal krieg

durch den stacheldrahtzaun
schlich sich die nacht

der mond blutverschmiert
zerfetzter wolkenkranz

mancher versteckte sich
hinter parolen

an welchem ort das geschah?
nimm diesen oder jenen. es ändert sich nicht viel

an manchen tagen wanderten die schatten
vermisster freunde über den hof

männer standen um atemwolken
so viele leere räume in ihren herzen

der himmel war verloren
hoffnungslos

wahrheit. sie hoffte wie ein
flutüberlebender auf dem hausdach

nach dem letzten schuss blieb die kugel
in der luft stehen. für jahrzehnte

das alles könnte auch der junge dort erzählen
er spielt ball. in dem hof. den es nicht mehr gibt

unter den steinen liegen geschichten
es war einmal krieg

sie denken
alles sei vorbei

© Rea Revekka Poulharidou

worum es geht

worum es geht - Briefgedicht von Rea Revekka Poulharidou

worum es geht (26)

wie oft wird die wahrheit entstellt
nur um sie erträglich zu machen?

die nachrichten sind voll davon

ich wünschte. kein neugeborenes
müsste mehr diesen horror sehen

eine rose verwelkt. eine andere erblüht

jedes kriegsdenkmal versucht zu sagen
was nicht gesagt werden kann

unsere lager sind voll. mit gefühlen
selten berühren wir sie

manchmal zittert mein schatten
ohne mich

manchmal fällt das morgen
auf gestern

doch darum geht es jetzt nicht

worum es geht. hat mit den augen zu tun
die sich abwenden

wieso wiegt eine träne nur mehr
als die ganze welt?

© Rea Revekka Poulharidou