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mein meer

mein meer - Briefgedicht von Rea Revekka Poulharidou

mein meer (61)

zum wertvollsten besitz wurde mir das meer
sowie jede erinnerung daran.
jetzt wogt es nirgendwo sonst als in mir.
überall in meinem körper.

auf eigenartige unerklärliche weise
gefällt mir die vorstellung
dass dieses meer nur mir gehört –
blau lichtdurchflutet

tief stürmisch still –
eine kostbarkeit
jenseits jeder realität

© Rea Revekka Poulharidou

september

die wiese ist noch grün. grün.
ein vogel zwitschert. einmal.
oder zweimal.
stille

nichts kommt. nichts geht.
die pforten des meeres sind verschlossen.
nur der himmel ist noch wach. doch
kein mond geht auf.

warten. auf den morgen.
die sonne sehen. es genügt.
die sonne sehen

wenn  auch nur. hinter
einem fenster

© Rea Revekka Poulharidou

nachtnotizen

meine nachtnotizen
ein almanach der späten stunden

Ikarus fiel. vor langer zeit
die sonne im rücken

hinter dem berg
kaum licht. das blatt
nicht zu sehen. nicht wirklich

weniger noch die vorstellung
wie es geschehen sein könnte

der blasse junge
am heißen wachs verbrannt
vom wind gekühlt

das wasser. wie aus dem nichts
so willkommen. eine plötzliche
ohnmacht

so viele leben seitdem
alle ähneln einander
alles lichtfänger

himmels-
stürmer

© Rea Revekka Poulharidou

abend am meer

das meer war seit langem nicht so still
fünf möwen fliegen lautlos
in die weite

das wasser ihr spiegel

die sonne untergegangen
das wasser zieht sich zurück
nur wolken türmen sich auf

das meer schweigt

wolkenschatten liegen auf der oberfläche
durch den vorhang der szenerie glimmt es golden –
plötzlich der abendstern

eine schwebende fackel

es ist als sei diese vorstellung nicht für uns
als sei sie nur eine probe hinter dem vorhang
für eine andere zeit

für ein anderes publikum

© Rea Revekka Poulharidou