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sternstunde

wir fanden einen weg
zu den sternen

hinter der silhouette
des monds

wolken ruderten
voran

der anfang einer geschichte
geschrieben mit silberner schrift

was auch immer geschehen sollte
es geschah noch nicht

blauer himmel
blaue unendlichkeit
blau über der erde

warum geschehen die großen dinge
nur so weit entfernt von uns?

© Rea Revekka Poulharidou

beginn & ende

warm & mild ist der abend
majestätische wolken
auf blauen thronen

vorbehaltlos schlängelt sich
der fluss unter der
brücke

es ist eine gnade
betrachter dieser
szenerie zu sein

gleich mich mit diesen worten aus

sagte ich sie je zuvor?
genauso sagte ich sie.
sagte sie.

werde ich sie je wieder sagen?
wer weiß, was der kummer
in unser herz schnippt

ich schrieb über den vollmond
halbmond viertelmond
neumond

heute ist wieder vollmond &
ich werde ihn nicht betrachten

alles hat ein ende
& einen beginn

bring das gleichgewicht zurück Herr
schick es zurück
an den beginn

© Rea Revekka Poulharidou

himmel in dir

himmel in dir - Briefgedicht von Rea Revekka Poulharidou

himmel in dir (55)

jeder himmel beginnt
in dir

heute pflückte ich den mond
wie einen reifen pfirsich –

als ich dich sah
erklärte ich die zeit für illegal

es gibt noch zahllose echos für das
was ich dir nicht sagte & blumen

die sich über träume wiegen &
zweige die wie eine wünschelrute

auf eine lücke zeigen
tief in mir

© Rea Revekka Poulharidou

es war einmal krieg

durch den stacheldrahtzaun
schlich sich die nacht

der mond blutverschmiert
zerfetzter wolkenkranz

mancher versteckte sich
hinter parolen

an welchem ort das geschah?
nimm diesen oder jenen. es ändert sich nicht viel

an manchen tagen wanderten die schatten
vermisster freunde über den hof

männer standen um atemwolken
so viele leere räume in ihren herzen

der himmel war verloren
hoffnungslos

wahrheit. sie hoffte wie ein
flutüberlebender auf dem hausdach

nach dem letzten schuss blieb die kugel
in der luft stehen. für jahrzehnte

das alles könnte auch der junge dort erzählen
er spielt ball. in dem hof. den es nicht mehr gibt

unter den steinen liegen geschichten
es war einmal krieg

sie denken
alles sei vorbei

© Rea Revekka Poulharidou

wie aus dem nichts

und dann geschieht es. wie aus dem nichts
während du die tür zum büro öffnest oder du

den überdimensionierten einkaufswagen durch die
mit 100 nudelsorten voll gestellten regale schiebst

und dich ein mann um einen euro fragt während
sich der wind draußen mit einer leeren tüte verbündet

es geschieht. wie aus dem nichts
dass du denkst. durch die scheiben

eines irrenhauses zu sehen –

liegt es am schatten, der diese stunde verfolgt oder
am mond, der mit der straßenbeleuchtung spielt?

du fragst die wolken. doch sie sind in gleichgültigkeit gehüllt
gebäude sehen weg. und der himmel jammert

dann geschieht es. wie aus dem nichts
dass alle deine worte davon fliegen

aufgeschreckt von einem
kurzen augenblick

© Rea Revekka Poulharidou

stört es dich. wenn ich rede?

die nächte werden wieder kälter.
wie es die nächte waren. damals
anfang frühling.

wir sind wieder allein.
ein grund mehr
für stille

stört es dich. wenn ich rede?

im garten drüben
geht der vollmond auf

wie viele davon erlebten wir
nicht mehr gemeinsam?

als im früjahr die sterne leuchteten
verhießen sie endlose zeit

schneeglöckchen öffneten und schlossen sich
ahornsamen rotierten in einer ewigkeit zu boden

der mond ging über der birke auf
weiß auf weiß –

und dort wo sich der stamm teilt
wiegten sich narzissen im mondlicht
silbergrün

wir sind weit gegangen – richtung ende
nächte – manchmal weiß ich nicht
was es bedeutet – das ende

ist es nicht so, dass
sich in der stille

ende & anfang
finden?

© Rea Revekka Poulharidou