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nachtgedanken

in der einen hand
die dunkelheit

in der anderen
einen flügel

als wahl

das ist es
worin alle geheimnisse liegen –

der weg hinein ist verschlungen
& einfach. sagen sie

der weg hinaus jedoch
mühsam

schwierig darüber zu reden
gerade jetzt. wenn

der mond in seiner pracht
hinter den fichten erscheint

& endlose hoffnung
verspricht

© Rea Revekka Poulharidou

es war einmal krieg

durch den stacheldrahtzaun
schlich sich die nacht

der mond blutverschmiert
zerfetzter wolkenkranz

mancher versteckte sich
hinter parolen

an welchem ort das geschah?
nimm diesen oder jenen. es ändert sich nicht viel

an manchen tagen wanderten die schatten
vermisster freunde über den hof

männer standen um atemwolken
so viele leere räume in ihren herzen

der himmel war verloren
hoffnungslos

wahrheit. sie hoffte wie ein
flutüberlebender auf dem hausdach

nach dem letzten schuss blieb die kugel
in der luft stehen. für jahrzehnte

das alles könnte auch der junge dort erzählen
er spielt ball. in dem hof. den es nicht mehr gibt

unter den steinen liegen geschichten
es war einmal krieg

sie denken
alles sei vorbei

© Rea Revekka Poulharidou

geheimnis

pflanzen unterhalten sich in einer geheimsprache, die wir nicht kennen
kolibris sehen rottöne, für die wir keine worte haben

vielleicht ist alles, was wir sagen oder sehen, nur ein hinweis auf etwas verborgenes

für milliarden an sternen haben wir keine namen
das universum dehnt sich aus. in einen raum, den wir nicht kennen

vielleicht gibt es worte, die nur darauf warten, dies allem eine stimme zu geben

unsere welt wurde zur hälfte von menschen geschaffen, die uns kennen
doch in uns gibt es eine andere welt. und darin weitere welten. dort sind wir unterwegs

dieses geheimnis verstehen, heißt das geheimnis der sonnenblume verstehen
wie sie das morgenlicht kennt und dennoch den kopf weiter reckt. dem weg zur sonne folgt

das leben – als sei es ein schwebender stern zwischen zwei welten

daher leben liebende wortlos. in jedem atemzug des anderen
daher reden sie jeden moment miteinander. in ihrer stille

das ist das geheimnis

male deine eigenen ziffern auf die uhr
lass deinen stern zwischen den gärten des mondes und denen der sonne schweben

als seien sie die worte, die du nie sprachst
aber schon immer hörtest

© Rea Revekka Poulharidou

resonanz

sonnenuntergang. lodernde hieroglyphen auf dem wasser.
der mond enzündet lichtpunkte in deinen augen.

eine windböe windet sich um bäume und straßenlaternen.
meine stimme. ausgehöhlt von einer unsagbaren einsamkeit.

wetterleuchten. blitze bahnen sich durch die nacht.
was ich liebe nenne flackert wie eine kaputte neonröhre.

immer mehr dieser dinge leuchten auf.
resonanz nennen es die wissenschaftler.

resonanz. das mitschwingen einer saite.
wenn ein gleichgestimmtes instrument ertönt.

ein flugzeug durchbricht die schallmauer. das echo eines kuckucks im wald.
und mich schaudert bei dem gedanken. an ein leben ohne dich.

ein schiff verschwindet in der ferne. sein kielwasser
durchzieht noch immer das wasser.

vielleicht ist gefühl aus resonanz beschaffen.
phantomschmerzen plagen meine liebe.

das wetterleuchten hat aufgehört.
der wind lehnt sich an einen ast.

ich sehe kleine details.
ein rosenblatt ein rotweinglas einen briefumschlag.

ich stelle mir vor. wie die zeit vergeht
bis es eines tages heute ist, bis es

jetzt ist und du mich
wortlos berührst

© Rea Revekka Poulharidou