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226 Articles

streichholzlicht

ich liebe es nachts
im goldenen streichholzlicht
deine gesichtszüge zu erkunden

sekundenlang
den mikrokosmos
deines liebeszaubers
erhaschen

entdeckerin sein
einer wilden landschaft
die ich niemals zähmen will

wir hören den regen prasseln
spüren die wirklichkeit
eines traums

ahnen – noch bevor
das streichholz ausgeht
die flüchtigkeit der zeit

© Rea Revekka Poulharidou

november

das licht. winterlicht
du spürst es. noch bevor du
die augen öffnest

jetzt ist es zu spät. dich
vorzubereiten. auf diese graue
fantasielose traurigkeit
die den raum ausfüllt

es ist noch nicht winter. doch
das licht ist es.
winterlicht

& du bist allein.

schließlich stehst du auf
bemerkst wie dich dein körper
trägt & hast nicht das herz
sein einsames leben
zu verfluchen
sein leiden
an kälte
an winterlicht
das durch jede ritze dringt

& dann umarmst du ihn
so fest. wie  jemanden
der zu dir kommt

mitten in der nacht
unter tränen

© Rea Revekka Poulharidou

zwischenwelt

es gibt räume
du wirst sie nie betreten

laternen flackern dort
von einer dunkelheit
in die nächste

straßen
. richtungslos

jemand huscht vorbei
. unwichtig

gestutzt
. wie der baum

vor deinem fenster

ein telefon klingelt
. leise

deine uhr geht
. rückwärts

&

du fragst nach dem schlüssel
zu all dem

kupfermünzen tragen
dein gesicht. zerkratzt

wie dein name
im spiegel

© Rea Revekka Poulharidou

saudade

du löschtest
das licht

seitdem vergingen einige sommer
unsere briefe. irgendein fluss
trug sie fort

nur aus gewohnheit
erzähle ich dir manchmal
von einem freund, einem park
einem buch –

meine tage & nächte sind der fado
eine unaufhörliche saudade
eine erinnerung an etwas
das hätte sein können

doch niemals
geschah

© Rea Revekka Poulharidou

sternstunde

wir fanden einen weg
zu den sternen

hinter der silhouette
des monds

wolken ruderten
voran

der anfang einer geschichte
geschrieben mit silberner schrift

was auch immer geschehen sollte
es geschah noch nicht

blauer himmel
blaue unendlichkeit
blau über der erde

warum geschehen die großen dinge
nur so weit entfernt von uns?

© Rea Revekka Poulharidou

nachtspaziergang

ein großer goldbrauner falter
mit je einem auge auf jedem flügel
schläft. im herzen einer sonnenblume

ab und an bewegen sich seine fühler. kreisen –
er & ich sind allein. auf dieser kaum beleuchteten straße

seine fühler. vielleicht bewegt sie der wind
oder meine anwesenheit. die er in seiner
entrücktheit wahrnimmt

unfähig sich zu entscheiden ob jemand
wirklich hier ist oder nicht. verbunden

mit einem völligen desinteresse. da er ihn
gefunden hat. seinen goldenen tempel
mit den millionen räumen

dämmerung. blau in der ferne
es hellt auf –

bald ist sie vorbei
die nacht

& ich möchte
dies alles nicht beenden

letztlich gehe ich zurück
ins haus.

betrachte dich. sehe

wie sich die goldenen blütenblätter
deiner augen bewegen. kreisen
sich öffnen

weite pupillen
begegnen einander
unentschieden

wer oder was wir
wirklich sind

© Rea Revekka Poulharidou

perseiden

Göttervater Zeus begehrt Danae und findet durch das Dach ihres Gefängnisses Zugang zu ihr, indem er sich in einen goldenen Regen verwandelt.

wir liegen im gras
unter einem himmel
sternenbedeckt

warten

bis es gold regnet
bis wir durchtränkt sind
von licht & nacht

& nichts anderes
begehren
als das

was Zeus & Danae
begehrten

© Rea Revekka Poulharidou