Header Image - Rea Revekka Poulharidou

Tag Archives

11 Articles

unter dem gewicht der sonne

jedes gedicht dreht sich
um zeit

jede nacht umarmst du mich
behutsam zärtlich

& unter dem gewicht
der sonne

löst du dich am morgen
sanft von meiner brust

ein tag mehr ist ein tag weniger

seit wochen schreibe ich
diese zeilen

mit einem bleistift
aus regen

er verschmiert
mein gesicht

er spricht die sprache
in der nichts bestand hat –

das licht kennt diese sprache nicht
in den kleinsten ritzen unserer worte

weiß es nur
zu leuchten

© Rea Revekka Poulharidou

sterne

ich wünschte, ich erinnerte mich
wie die sterne hier vor 30 jahren leuchteten

wahrscheinlich so schön wie jetzt
doch damals sah ich sie nicht –
nicht so wie heute

ich liebte es wenn sie fielen oder
wenn sie einfach blinkten

bilder von träumen aus einem leben
nach dem leben

ich mag die vorstellung dass sie
noch dort sein werden. lang nachdem
ich mich schlafen lege &

lang noch nach dem schlaf
meines schlafs

© Rea Revekka Poulharidou

nachtgedanken

in der einen hand
die dunkelheit

in der anderen
einen flügel

als wahl

das ist es
worin alle geheimnisse liegen –

der weg hinein ist verschlungen
& einfach. sagen sie

der weg hinaus jedoch
mühsam

schwierig darüber zu reden
gerade jetzt. wenn

der mond in seiner pracht
hinter den fichten erscheint

& endlose hoffnung
verspricht

© Rea Revekka Poulharidou

nacht

by Rea Revekka Poulharidou

die nacht
ein meer
außerhalb
deines körpers

der sternklare himmel
ein wald aus vögeln
blumen fischen
ein wundervoller traum

das meer
ein spiegel der dinge
heute nacht

denken ist schönheit
ein zuhause
ist sonne
tag
ein licht
ein feuer

der schatten an der wand
klang dieser winternacht

© Rea Revekka Poulharidou

es war einmal krieg

durch den stacheldrahtzaun
schlich sich die nacht

der mond blutverschmiert
zerfetzter wolkenkranz

mancher versteckte sich
hinter parolen

an welchem ort das geschah?
nimm diesen oder jenen. es ändert sich nicht viel

an manchen tagen wanderten die schatten
vermisster freunde über den hof

männer standen um atemwolken
so viele leere räume in ihren herzen

der himmel war verloren
hoffnungslos

wahrheit. sie hoffte wie ein
flutüberlebender auf dem hausdach

nach dem letzten schuss blieb die kugel
in der luft stehen. für jahrzehnte

das alles könnte auch der junge dort erzählen
er spielt ball. in dem hof. den es nicht mehr gibt

unter den steinen liegen geschichten
es war einmal krieg

sie denken
alles sei vorbei

© Rea Revekka Poulharidou

was du dir wünscht

dich umgibt alles. von dem du dachtest
es sei nötig

ein gesicht. ein raum. ein bild

allem gabst du namen
jetzt rufen sie nach dir

doch was du dir wünscht
bleibt namenlos

es berührt dich nachts. verschleiert
in deinen träumen

du öffnest die arme. das herz
lässt sich fallen

aufgewacht erinnerst du dich an nichts
der traum jedoch erinnert sich an dich

er ist da. den ganzen tag
wie ein same in der erde
wie die sonne mitten
in der nacht

© Rea Revekka Poulharidou