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saudade

du löschtest
das licht

seitdem vergingen einige sommer
unsere briefe. irgendein fluss
trug sie fort

nur aus gewohnheit
erzähle ich dir manchmal
von einem freund, einem park
einem buch –

meine tage & nächte sind der fado
eine unaufhörliche saudade
eine erinnerung an etwas
das hätte sein können

doch niemals
geschah

© Rea Revekka Poulharidou

sternstunde

wir fanden einen weg
zu den sternen

hinter der silhouette
des monds

wolken ruderten
voran

der anfang einer geschichte
geschrieben mit silberner schrift

was auch immer geschehen sollte
es geschah noch nicht

blauer himmel
blaue unendlichkeit
blau über der erde

warum geschehen die großen dinge
nur so weit entfernt von uns?

© Rea Revekka Poulharidou

nachtspaziergang

ein großer goldbrauner falter
mit je einem auge auf jedem flügel
schläft. im herzen einer sonnenblume

ab und an bewegen sich seine fühler. kreisen –
er & ich sind allein. auf dieser kaum beleuchteten straße

seine fühler. vielleicht bewegt sie der wind
oder meine anwesenheit. die er in seiner
entrücktheit wahrnimmt

unfähig sich zu entscheiden ob jemand
wirklich hier ist oder nicht. verbunden

mit einem völligen desinteresse. da er ihn
gefunden hat. seinen goldenen tempel
mit den millionen räumen

dämmerung. blau in der ferne
es hellt auf –

bald ist sie vorbei
die nacht

& ich möchte
dies alles nicht beenden

letztlich gehe ich zurück
ins haus.

betrachte dich. sehe

wie sich die goldenen blütenblätter
deiner augen bewegen. kreisen
sich öffnen

weite pupillen
begegnen einander
unentschieden

wer oder was wir
wirklich sind

© Rea Revekka Poulharidou

perseiden

Göttervater Zeus begehrt Danae und findet durch das Dach ihres Gefängnisses Zugang zu ihr, indem er sich in einen goldenen Regen verwandelt.

wir liegen im gras
unter einem himmel
sternenbedeckt

warten

bis es gold regnet
bis wir durchtränkt sind
von licht & nacht

& nichts anderes
begehren
als das

was Zeus & Danae
begehrten

© Rea Revekka Poulharidou

nachtnotizen

meine nachtnotizen
ein almanach der späten stunden

Ikarus fiel. vor langer zeit
die sonne im rücken

hinter dem berg
kaum licht. das blatt
nicht zu sehen. nicht wirklich

weniger noch die vorstellung
wie es geschehen sein könnte

der blasse junge
am heißen wachs verbrannt
vom wind gekühlt

das wasser. wie aus dem nichts
so willkommen. eine plötzliche
ohnmacht

so viele leben seitdem
alle ähneln einander
alles lichtfänger

himmels-
stürmer

© Rea Revekka Poulharidou