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im zug

Dû bist mîn, ich bin dîn.
des solt dû gewis sîn.
dû bist beslozzen
in mînem herzen,
verlorn ist das sluzzelîn:
dû muost ouch immêr darinne sîn.


– (unbekannte Verfasserin, 12. Jahrhundert)

im zug auf der fahrt
von süd nach nord
erinnere ich mich
an alte zeilen

da bist du wieder
hochbetagter
freund

ich blinzle
mehr als tausend mal
& sehe dich

im winterwald
dein eigenes lied
auf den lippen

ein troubadour bist du
die minne dein höchstes
ziel

© Rea Revekka Poulharidou

januar

by Rea Revekka Poulharidou

pulvergrau
der himmel
aufgeraut

tropfen
schnee
wind

eigenartig
einen namen haben
irgendeinen namen
im leben

januar
eiszapfen
im rachen

die tage
werden länger

die nächte
kalt & bitter
bis zum
grund

alles sucht
nach einer form
letzter schmerz
im streben
nach licht

© Rea Revekka Poulharidou

erste nacht

by Rea Revekka Poulharidou

der traum vom meer
in der ersten nacht

aufgewacht
in frieden

blaue dunkelheit
schneeflocken

trieben wurzeln
im wasser

alles, was kahl war & still
war voller bewegung

nacht lag über
dem schnee

& doch gab es
hoffnung

dämmerung
morgen

lichter winter
himmel

© Rea Revekka Poulharidou

was wir brauchen

by Rea Revekka Poulharidou

zurück
aus einer welt
im nirgendwo –

wir brauchen
den stich der rose

eine herbe form von licht
an trostlosen nächten

tränen. die unseren mund
versalzen

ob vom rauen wind
oder der erinnerung

keine andere geschichte als
die unsere

einen brutalen traum
getränkt mit unserem leben

leidenschaftlich offen
illusorisch

worin wir aufwachen
ihm substanz verleihen

sein gesicht zu uns wenden
widerwillig

& sehen
für einen augenblick

wie schneeflocken
darauf schmelzen

& leuchten

© Rea Revekka Poulharidou