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Tage aus Stein

Es gibt Tage aus Stein. Massive Granitblöcke, schwer und unbeweglich stellen sich dir in den Weg. Steilwände, kaum zu erklimmen strecken sich in die Höhe. Poröses und bröckelndes Gestein gibt unter deinen Tritten nach. Du rutscht, verlierst das Gleichgewicht, schlägst dich an harten Kanten wund. Schreist deinen Schmerz aus.

In deiner Ohnmacht hörst du ein Rauschen – nicht weit von dir. Ein Bach bahnt sich seinen Weg – mitten durch den Stein. Unbekümmert, beständig und unbeirrt hat er über Jahre hinweg seinen Weg durch den Fels gezogen. Weiches Wasser, das dem Stein nicht weicht. Wirst selbst Wasser, an diesen Tagen aus Stein

© Rea Revekka Poulharidou

himmel und erde

zwischen Himmel und Erde
steige ich wortlos
auf die Dächer
dieser Stadt

dein Lächeln
irgendwo
im Niemandsland

Dichter sein
wollte ich
nur für dich
Dichter sein

ich liebte
die Worte
liebte ich

fügte sie
säuberlich
zusammen
liebkoste sie
schrieb sie auf
rosiges Papier

doch Dichter
war ich nicht

die Worte
hörte ich nicht
knetete sie nicht
in meinem Mund
zerbiss die Silben nicht
schob sie mit der Zunge
nicht
neu zusammen

zwischen Himmel und Erde
lache ich heute
auf den Dächern
dieser Stadt

und brenne
Gedichte
in die
Nacht

© Rea Revekka Poulharidou

wahrheit

Es ist immer ein Wagnis, seiner eigenen Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Es ist ein freier Fall ins Bodenlose. Alles dreht sich, dir schwindelt, du stürzt in die Tiefe und hoffst, dass irgendjemand oder irgendetwas in Erscheinung tritt, das dich auffängt – und … es geschieht nichts.

Spätestens hier solltest du dich an etwas Wichtiges erinnern, das du bei dir trägst. Manche nennen es “mein Selbst”, andere nennen es “wahre Freunde” oder auch “Flügel”. Unabhängig davon, wie du es nennst und wie nichtig es dir vorkommen mag. Es ist o.k., setz’ es ein

© Rea Revekka Poulharidou

liebe

Du fragtest: “Wie erkenne ich Liebe?”

Liebe wirst du niemals erkennen, fassen, greifen können. Liebe ist flüchtig und ewig. Liebe ist Krieg und Frieden. Liebe ist Verzweiflung und Hoffnung. Trauer und Freude. Liebe ist, wenn du taub bist und deinen Namen hörst – deinen Namen zum ersten Mal hörst. Das alles ist Liebe

© Rea Revekka Poulharidou