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wortlos

wortlos
nähere ich mich
worten

absolut unfähig
zu sagen. genau
zu sagen

wie es ist
wie du bist

ein vogel
von unwahrscheinlichem
reichtum

fast unerkannt
als eine
unter uns –

in stimme & gestalt
eine seltenheit
in der alles ist

alles
was ich nach & nach erkenne

alles
was noch geformt werden kann

was sich selbst formt &
form annehmen wird

ein flüstern im wind
pausen aus stille

& die auflösung des raums

meine hand bewegt diesen stift
über das papier

mein mund formt sich
in erinnerung an dich

meine augen
erinnern sich

puls meines herzens
weitet. zieht sich
zusammen

eingeatmete luft
ausgestoßen

über diese worte
wortlos

ein akt
weiter
zu gehen

ein akt
zu sein

© Rea Revekka Poulharidou

du in meinen augen

du liebst
versteckte
moosbedeckte
wege

deine hand
immer wieder
am grünen polster
einer baumrinde

in dir flammt ein feuer
fließen ruhige wasser
köstliche ströme – die kaum
jemand kennt

du liebst bunte wiesen
kleine muschelschalen
wie sie sich entfalten
& zugleich in sich
zurückkehren

du in meinen augen
glanz des frühlings
atem des lichts

© Rea Revekka Poulharidou

frühling

frühling kam dieses jahr
sehr spät

& auf einmal war er
da

milde klare
tage

zärtliche abende
bäume nah an nah

strecken sich
rasant in die höhe –

ich male sie
in meine augen

male sie mit
freude & kummer

dass wir nicht gemeinsam
hier sind

& uns auch so
aneinanderlehnen

& zusammenkommen
wie alles lebendige

zweige treiben aus
vollgepackt mit knospen

& dein versprechen liegt
auf meinen sinnen

mehr als alles andere
mehr als alles

© Rea Revekka Poulharidou

anfang april

anfang april
ein hauch von
köstlichem grün
verschwommenem rot

& forsythien
im goldrausch

tänzerinnen
auf zehenspitzen
die arme geweitet
jeder halm ein zeichen
von erfüllung

paare arm in arm
später im monat
sonnen sie sich
auf bänken

ich denke wie auch wir
spazieren gingen
am ufer saßen
ewiges blau
vor uns

wie menschen an uns
vorüber gingen &
wir uns hielten
mit unseren
augen

© Rea Revekka Poulharidou

3 worte

gedankenverloren
blättere ich seite für seite um

das alte buch
erich fried – liebesgedichte

ein zettel darin
deine schrift

3 worte
ich vermisse dich

ich werfe den kopf in den nacken
berühre die stuhllehne. so wie damals

als wir gemeinsam
lachten weinten

& mein kopf nimmt die form
deines antiken ovals an

& mein gesicht
wird zu deinem gesicht

weich geschwungen
von der stirn bis zum kinn

& für einen augenblick
bin ich du

& weiß
es ist gut

wie es
ist

© Rea Revekka Poulharidou