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gedankenstrich

by Rea Revekka Poulharidou

.

ein kleiner punkt
das ganze leben

weg
abgebrochener weg

gedankenfalte
ein langer vokal

liebe langmut
liebe hinnahme
liebe entrüstung
liebe stille

die letzten monate
beobachtete ich
den see

die linie des bleistifts
die linie des gedichts

himmel
wasser
den raum dazwischen

den gedankenstrich
am ende eines satzes

seine bedeutung
noch nicht zu ende
es geht
weiter

© Rea Revekka Poulharidou

im zug

Dû bist mîn, ich bin dîn.
des solt dû gewis sîn.
dû bist beslozzen
in mînem herzen,
verlorn ist das sluzzelîn:
dû muost ouch immêr darinne sîn.


– (unbekannte Verfasserin, 12. Jahrhundert)

im zug auf der fahrt
von süd nach nord
erinnere ich mich
an alte zeilen

da bist du wieder
hochbetagter
freund

ich blinzle
mehr als tausend mal
& sehe dich

im winterwald
dein eigenes lied
auf den lippen

ein troubadour bist du
die minne dein höchstes
ziel

© Rea Revekka Poulharidou

erinnern

by Rea Revekka Poulharidou

erinnern.
nur an das licht. nach dem ich dürstete
an das leidenschaftliche flüstern
das beben unserer herzen
nur an das gebet der seele
den blühenden garten
die erde

& an die sonne. die meinen hunger
stillte
nach licht

erinnern.
nur an die worte
der liebe

© Rea Revekka Poulharidou

 

zucker

by Rea Revekka Poulharidou

wir sitzen am tisch
& ich denke

sag es. los. fordere mich auf
etwas unmögliches zu tun

etwas völlig absurdes. nutzloses
etwas unvorstellbares & unnachahmliches

wie in deinen armen ein orchester spielen zu lassen
oder in 20 minuten eine halbe stunde zu gehen
oder mich an morgen zu erinnern

doch alles was du sagst ist:
‚gibst du mir bitte den zucker?‘

& ich lächle & kehre zurück
aus der fabelhaften welt
der möglichkeiten

& gebe dir das süße weiß
mit händen wie hände
nur zittern können

© Rea Revekka Poulharidou

liebe

by Rea Revekka Poulharidou

an deiner liebe
habe ich dich erkannt

liebe ist deine frucht
frei von allem was dich umgibt

nur die liebe wächst trägt knospen &
reift mit der schlichtheit einer rose

liebe ist dein geburtsmal
dein brandzeichen

sie hebt dich aus der masse
macht dich erkennbar

einen menschen erkennst du nicht
an der gewandtheit seiner worte

auch nicht an seiner arbeit
oder seinem reichtum

denn es ist das leben
das dies gibt oder verwehrt

sicher sind edle worte bereichernd
arbeit & reichtum schenken hoffnung

doch nur die liebe
singt

wie ein milder
frühlingswind

von der schönheit
deiner seele

© Rea Revekka Poulharidou

was wir brauchen

by Rea Revekka Poulharidou

zurück
aus einer welt
im nirgendwo –

wir brauchen
den stich der rose

eine herbe form von licht
an trostlosen nächten

tränen. die unseren mund
versalzen

ob vom rauen wind
oder der erinnerung

keine andere geschichte als
die unsere

einen brutalen traum
getränkt mit unserem leben

leidenschaftlich offen
illusorisch

worin wir aufwachen
ihm substanz verleihen

sein gesicht zu uns wenden
widerwillig

& sehen
für einen augenblick

wie schneeflocken
darauf schmelzen

& leuchten

© Rea Revekka Poulharidou