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liebe verstehen

ich stelle mir vor, wie du
der beginn dieses gedichts bist

ich stelle mir vor. wie der regen es
an dein fenster schreibt

wie deine haut den duft
der erde atmet –

liebe verstehen

es genügt nicht
die wertvollsten gärten unserer hoffnung
in den himmel zu säen

es genügt nicht
die zukunft aus der blüte
einer rose zu lesen

liebe verstehen

in der art wie dornen
ihre rose beschützen

nicht zulassen. dass der mond
seinen schläfrigen kopf
auf unser dach legt

& unsere worte
im nachthimmel
verglühen

ihnen folgen. wo immer sie auch hinführen
alles hören. wie den pfeil
bevor er trifft –

unser herz schälen
schicht für schicht

sehen
was darunter
liegt

herz
unter
herz

© Rea Revekka Poulharidou

mein meer

mein meer - Briefgedicht von Rea Revekka Poulharidou

mein meer (61)

zum wertvollsten besitz wurde mir das meer
sowie jede erinnerung daran.
jetzt wogt es nirgendwo sonst als in mir.
überall in meinem körper.

auf eigenartige unerklärliche weise
gefällt mir die vorstellung
dass dieses meer nur mir gehört –
blau lichtdurchflutet

tief stürmisch still –
eine kostbarkeit
jenseits jeder realität

© Rea Revekka Poulharidou

sternstunde

wir fanden einen weg
zu den sternen

hinter der silhouette
des monds

wolken ruderten
voran

der anfang einer geschichte
geschrieben mit silberner schrift

was auch immer geschehen sollte
es geschah noch nicht

blauer himmel
blaue unendlichkeit
blau über der erde

warum geschehen die großen dinge
nur so weit entfernt von uns?

© Rea Revekka Poulharidou

nachtspaziergang

ein großer goldbrauner falter
mit je einem auge auf jedem flügel
schläft. im herzen einer sonnenblume

ab und an bewegen sich seine fühler. kreisen –
er & ich sind allein. auf dieser kaum beleuchteten straße

seine fühler. vielleicht bewegt sie der wind
oder meine anwesenheit. die er in seiner
entrücktheit wahrnimmt

unfähig sich zu entscheiden ob jemand
wirklich hier ist oder nicht. verbunden

mit einem völligen desinteresse. da er ihn
gefunden hat. seinen goldenen tempel
mit den millionen räumen

dämmerung. blau in der ferne
es hellt auf –

bald ist sie vorbei
die nacht

& ich möchte
dies alles nicht beenden

letztlich gehe ich zurück
ins haus.

betrachte dich. sehe

wie sich die goldenen blütenblätter
deiner augen bewegen. kreisen
sich öffnen

weite pupillen
begegnen einander
unentschieden

wer oder was wir
wirklich sind

© Rea Revekka Poulharidou

beginn & ende

warm & mild ist der abend
majestätische wolken
auf blauen thronen

vorbehaltlos schlängelt sich
der fluss unter der
brücke

es ist eine gnade
betrachter dieser
szenerie zu sein

gleich mich mit diesen worten aus

sagte ich sie je zuvor?
genauso sagte ich sie.
sagte sie.

werde ich sie je wieder sagen?
wer weiß, was der kummer
in unser herz schnippt

ich schrieb über den vollmond
halbmond viertelmond
neumond

heute ist wieder vollmond &
ich werde ihn nicht betrachten

alles hat ein ende
& einen beginn

bring das gleichgewicht zurück Herr
schick es zurück
an den beginn

© Rea Revekka Poulharidou