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liebe verstehen

ich stelle mir vor, wie du
der beginn dieses gedichts bist

ich stelle mir vor. wie der regen es
an dein fenster schreibt

wie deine haut den duft
der erde atmet –

liebe verstehen

es genügt nicht
die wertvollsten gärten unserer hoffnung
in den himmel zu säen

es genügt nicht
die zukunft aus der blüte
einer rose zu lesen

liebe verstehen

in der art wie dornen
ihre rose beschützen

nicht zulassen. dass der mond
seinen schläfrigen kopf
auf unser dach legt

& unsere worte
im nachthimmel
verglühen

ihnen folgen. wo immer sie auch hinführen
alles hören. wie den pfeil
bevor er trifft –

unser herz schälen
schicht für schicht

sehen
was darunter
liegt

herz
unter
herz

© Rea Revekka Poulharidou

wenn ahnungslos

die stille
im ungesagten
berühren

doch wenn ahnungslos und kalt
der tag anbricht. ein vogel
durch das fenster fliegt &

dir eine szene zurück bringt in einer glaskugel
& sich der gedankenstrom in staub auflöst
der geruch von erloschenem feuer über
herbstliche straßen treibt

ist es schwierig zu schreiben
über das wahre bild. die wahre hand.
das herz.

den zusammenhang erklären
eines einfachen satzes –

die stunde. der schatten. das feuer.
die blume auf dem tisch

schwierig unter der sonne ein wort zu wiegen
bis es ausgeglichen ist
mit liebe

© Rea Revekka Poulharidou

streichholzlicht

ich liebe es nachts
im goldenen streichholzlicht
deine gesichtszüge zu erkunden

sekundenlang
den mikrokosmos
deines liebeszaubers
erhaschen

entdeckerin sein
einer wilden landschaft
die ich niemals zähmen will

wir hören den regen prasseln
spüren die wirklichkeit
eines traums

ahnen – noch bevor
das streichholz ausgeht
die flüchtigkeit der zeit

© Rea Revekka Poulharidou

zwischenwelt

es gibt räume
du wirst sie nie betreten

laternen flackern dort
von einer dunkelheit
in die nächste

straßen
. richtungslos

jemand huscht vorbei
. unwichtig

gestutzt
. wie der baum

vor deinem fenster

ein telefon klingelt
. leise

deine uhr geht
. rückwärts

&

du fragst nach dem schlüssel
zu all dem

kupfermünzen tragen
dein gesicht. zerkratzt

wie dein name
im spiegel

© Rea Revekka Poulharidou

nicht weit von hier

nicht weit von hier
ein meerblaues haus

dort leben wir
du & ich

im garten blüht ein baum
unvergänglich weiß

unter seinen zweigen
liegen wir im gras
erzählen uns

wie wir einst
in magischen welten
lebten

gaukler waren
bettler könige –

du lachst.
nichts davon ist wahr.
nie begegneten wir einander.

doch an tagen wie heute
wenn alles fehl am platze scheint
stelle ich mir das alles vor

&

wenn du
für einen moment
inne hältst

die augen
von diesen zeilen
hebst

siehst du vielleicht
auch dasselbe
wie ich

© Rea Revekka Poulharidou