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wortlos

wortlos
nähere ich mich
worten

absolut unfähig
zu sagen. genau
zu sagen

wie es ist
wie du bist

ein vogel
von unwahrscheinlichem
reichtum

fast unerkannt
als eine
unter uns –

in stimme & gestalt
eine seltenheit
in der alles ist

alles
was ich nach & nach erkenne

alles
was noch geformt werden kann

was sich selbst formt &
form annehmen wird

ein flüstern im wind
pausen aus stille

& die auflösung des raums

meine hand bewegt diesen stift
über das papier

mein mund formt sich
in erinnerung an dich

meine augen
erinnern sich

puls meines herzens
weitet. zieht sich
zusammen

eingeatmete luft
ausgestoßen

über diese worte
wortlos

ein akt
weiter
zu gehen

ein akt
zu sein

© Rea Revekka Poulharidou

glutball

glutball über dem hügel
ein meer an rot

die musik des himmels
endlos

reglos sitze ich da
bis ich es nicht mehr ertrage
& stehe auf

alles breitet sich vor mir aus
in der ferne

ich betrachte es. gehe darauf zu
doch es ändert sich nichts

was wir sehen
beginnt und endet
jenseits des denkbaren

& wir. wir suchen weiterhin
nach einem anderen himmel
einer anderen erde

während die eiskappen
schmelzen

© Rea Revekka Poulharidou

nachtgedanken

in der einen hand
die dunkelheit

in der anderen
einen flügel

als wahl

das ist es
worin alle geheimnisse liegen –

der weg hinein ist verschlungen
& einfach. sagen sie

der weg hinaus jedoch
mühsam

schwierig darüber zu reden
gerade jetzt. wenn

der mond in seiner pracht
hinter den fichten erscheint

& endlose hoffnung
verspricht

© Rea Revekka Poulharidou

3 worte

gedankenverloren
blättere ich seite für seite um

das alte buch
erich fried – liebesgedichte

ein zettel darin
deine schrift

3 worte
ich vermisse dich

ich werfe den kopf in den nacken
berühre die stuhllehne. so wie damals

als wir gemeinsam
lachten weinten

& mein kopf nimmt die form
deines antiken ovals an

& mein gesicht
wird zu deinem gesicht

weich geschwungen
von der stirn bis zum kinn

& für einen augenblick
bin ich du

& weiß
es ist gut

wie es
ist

© Rea Revekka Poulharidou

fotografie

sieh
dein gesicht
in einem besonderen
augenblick

& diese augenlider
aus licht

der mund
bereit etwas zu sagen
worauf wir schon immer
warteten

die haut
rosig & makellos

wir sind heute die einzigen
die nicht sehen können
was sich veränderte

ein augenblick folgte
dem anderen. glich dem
davor & danach

der puls des lebens –
dann fremdheit

alles ist
wie es war

alles ist
anders

© Rea Revekka Poulharidou