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unter dem gewicht der sonne

jedes gedicht dreht sich
um zeit

jede nacht umarmst du mich
behutsam zärtlich

& unter dem gewicht
der sonne

löst du dich am morgen
sanft von meiner brust

ein tag mehr ist ein tag weniger

seit wochen schreibe ich
diese zeilen

mit einem bleistift
aus regen

er verschmiert
mein gesicht

er spricht die sprache
in der nichts bestand hat –

das licht kennt diese sprache nicht
in den kleinsten ritzen unserer worte

weiß es nur
zu leuchten

© Rea Revekka Poulharidou

sterne

ich wünschte, ich erinnerte mich
wie die sterne hier vor 30 jahren leuchteten

wahrscheinlich so schön wie jetzt
doch damals sah ich sie nicht –
nicht so wie heute

ich liebte es wenn sie fielen oder
wenn sie einfach blinkten

bilder von träumen aus einem leben
nach dem leben

ich mag die vorstellung dass sie
noch dort sein werden. lang nachdem
ich mich schlafen lege &

lang noch nach dem schlaf
meines schlafs

© Rea Revekka Poulharidou

im reich der poesie

ich mag es hier
unter dem dach
der platanen & linden

ich mag es
wie der wind die bäume wortlos entkleidet
wie sich licht & laub endlos wiederholen

ich mag es
weil ich hier lieber bin
als anderswo & weil
ich sie liebe –

die eigenwilligkeit
den zauber der sprache
ihr geist ist überall

in meinem haus leben bilder
sie malen sich selbst

im garten wächst der baum
meiner liebe

über dem himmel
wölben sich weitere himmel

& dieser reichtum
kennt keine
grenzen

© Rea Revekka Poulharidou

rätsel

pinselstrich
engelsflügel

zurück aus der
vollkommenheit

synapsen binden
wort an wort

nur noch ein sprung
zum endlosen –

in aller schönheit
liegt ein rätsel

im mark einer jeden
wurzel

am saum eines jeden
felsens

in der lunge jeder
wolke

ein rätsel

wächst &
bleibt

© Rea Revekka Poulharidou

lilien

unser jammern & klagen
ein ständiges flattern
im wind

keine antwort ist alles
was wir erhalten

kein wunder
kein wunder

sieh
die lilien sind zurück
im hohen gras

entschlossen tun sie das
wofür sie hier sind

beugen sich
im wind

verschließen
ihre lippen

© Rea Revekka Poulharidou

geben

ich möchte dir etwas geben
möchte etwas von dir erhalten
den austausch
spüren

die warme hand
auf der schulter
ein lied
das aufsteigt

wir könnten uns
am tisch begegenen
dort unter dem baum
wir könnten den ahornbaum
beobachten

wie er seine propellersamen loslässt
als wollte er uns etwas schenken

etwas seltenes
etwas, das kaum
zu finden ist

© Rea Revekka Poulharidou