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gedankenstrich

by Rea Revekka Poulharidou

.

ein kleiner punkt
das ganze leben

weg
abgebrochener weg

gedankenfalte
ein langer vokal

liebe langmut
liebe hinnahme
liebe entrüstung
liebe stille

die letzten monate
beobachtete ich
den see

die linie des bleistifts
die linie des gedichts

himmel
wasser
den raum dazwischen

den gedankenstrich
am ende eines satzes

seine bedeutung
noch nicht zu ende
es geht
weiter

© Rea Revekka Poulharidou

leben

mein leben verbrachte ich damit
es zu verlassen

anderswo wollte ich sein
brennende flügel an den füßen

mein herz. stets verstaut
in der jackentasche

die welt im winter –

kahle bäume
kahle straßen

erzählen geschichten aus
gewitter & schönwetter

die sonne geht unter
die sonne geht auf

sterne erscheinen
verschwinden

wohin ich auch
gehe

überall ist
herrlichkeit

© Rea Revekka Poulharidou

erinnern

by Rea Revekka Poulharidou

erinnern.
nur an das licht. nach dem ich dürstete
an das leidenschaftliche flüstern
das beben unserer herzen
nur an das gebet der seele
den blühenden garten
die erde

& an die sonne. die meinen hunger
stillte
nach licht

erinnern.
nur an die worte
der liebe

© Rea Revekka Poulharidou

 

bildnis

by Rea Revekka Poulharidou

briefe
jemand liest
ein anderer schreibt
während sie wartet

sie sieht aus dem fenster
auf eine unsichtbare straße

an den wänden hängen bilder
in ihnen andere bilder
landschaften in
landschaften
licht in licht

& hier
ganz nah
papier & tinte
eine feder

sie sieht
aus dem fenster
wartet

drei jahrhunderte
die hände im schoß

ungealtert
in einem rahmen
aus zeit & stille

© Rea Revekka Poulharidou

ungetrübte augen

by Rea Revekka Poulharidou

das leben betrachten
mit ungetrübten augen –

die erde ist nach wie vor das paradies
das sie schon immer sein wollte

der himmel so weit entfernt
wie zuvor

die wolken reisende botschafter
wie seit anbeginn der zeit

da ist nichts mehr
das verworfen werden will

da sind nur noch die lieder der jungen
und die der alten, die auf etwas anderes hoffen

Herr, sprich zu ihnen in ihrer ungewissheit
sag ihnen

die schatten sind längst verschwunden
der nebel hat sich gelichtet

sag ihnen, dass licht
keine metapher ist

© Rea Revekka Poulharidou

es genügt nicht

by Rea Revekka Poulharidou

ein gürtel
aus sternen

um meine taille
geschnallt

meine worte
ein klumpen salz –

es genügt nicht
zu schreiben &

immer wieder
den beginn zu suchen

es genügt nicht
jedes wort zu wiegen –

hör auf deinen herzschlag
wie er kommt
wie er geht

wie er die welt
am leben
hält

© Rea Revekka Poulharidou

gaukler

by Rea Revekka Poulharidou

kummer – ich kenne dich
du gaukler

du bist die sehnsucht
nach einer hoffnung

bist die einsamkeit
eines dunklen herzens

ein streunender hund
ohne weg & ziel

eine flackernde kerze
im nächtlichen wind

kannst glück & schmerz
nicht voneinander trennen

ich kenne dich du gaukler
& ziehe weiter

bleibe sonnenliebende
poetin, träumerin

die stets nach dem licht
im dunklen sucht

© Rea Revekka Poulharidou