Header Image - Rea Revekka Poulharidou

Tag Archives

731 Articles

fotografie

sieh
dein gesicht
in einem besonderen
augenblick

& diese augenlider
aus licht

der mund
bereit etwas zu sagen
worauf wir schon immer
warteten

die haut
rosig & makellos

wir sind heute die einzigen
die nicht sehen können
was sich veränderte

ein augenblick folgte
dem anderen. glich dem
davor & danach

der puls des lebens –
dann fremdheit

alles ist
wie es war

alles ist
anders

© Rea Revekka Poulharidou

da ist ein weg

jenseits des sees
vier oder fünf berge
rostrot im dämmerlicht

berge
versunken
im vorspiel
der nacht

da ist ein weg hinter dem dunkel
er führt durch fülle & leere

da sind flüsse & wasserfälle
tausende kilometer
unter dir

zufriedenheit kommt
in kleinen schritten

launen kommen & gehen
doch eines bleibt

stille. wir alle teilen sie

wurzel & ast. rose & granatäpfel
wir können nicht genug bekommen
wir können nicht

manche sagen. schönheit ist
der feind des ausdrucks

andere sagen. ausdruck ist
der feind der schönheit

der schöpfer sagt.
geflügelte worte sind weder kunst
noch schönheit

geh langsam. geh schneller
geh.
du hast alles gesagt

© Rea Revekka Poulharidou

ferne

alles was du aus der ferne betrachtest
bleibt ferne

nur die klarheit des ereignisses
kehrt zurück & bleibt nah

möwen kreisen
hin & her

ihre ferne ist nicht
unsere

was sie sehen ist nicht
was wir sehen

ich wünschte ich könnte sagen
ich sah es ein mal
doch so ist es nicht

ich wünschte ich könnte sagen
ich schrieb ein gedicht
auf deine haut

doch ich tat es nicht

ich wünschte ich könnte sagen
es ist noch da

doch das ist es nicht

© Rea Revekka Poulharidou

höhlengeflüster

da ist ein flüstern. eingemeißelt
in den wänden der tiefsten höhlen

geschaffen von einem fluss.
der kein fluss mehr ist

einst gab es dort auch sterne.
an einem anderen himmel

da ist ein flüstern. es kehrt zurück
in einem anderen flüstern

dunkelheit wiederholt sich selbst
bis zum licht

wie der wind. der den wind
wegweht

© Rea Revekka Poulharidou

zeit

wenn ich meine hände
nur lang genug betrachtete

würde ich sehen wie sie sprießen
haarfeine wurzeln

aus den knochen
aus den fingern –

doch stattdessen
sehe ich nach oben

mein gesicht 10 jahre älter
seit der letzten nacht hier

nichts hat sich verändert

über dem berggipfel
fängt ein falke erstes licht

lang bevor es die augen erreicht
ich will sie schließen & warten

es ist noch zeit
zeit

ich kann sie noch öffnen
wenn ich will

© Rea Revekka Poulharidou