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orangenblüten

orangenblüten legten spuren
auf dem boden des herzens

& die präludien ließen träume zurück
auf dem kalkweiß einer mauer

& dort weiter unten. bäume. silber
dann nicht mehr silber. wind

& du sitzt dort
im flackernden grün
entspannt

blätter rauschen im wind

die welt ist dir nichts
die musik ist dir nichts
die nachmittagsruhe. nichts

nur der wind
wie er sich bewegt
durch den silbernen glanz

& die orangenblüten
auf den weichen steinen
als seien sie gedichte

© Rea Revekka Poulharidou

beginnen

I

heute abend werde ich beginnen
mit der stille des wassers

wie es tropft. von blütenblatt zu blütenblatt
regen – noch vor unserer zeit

ich werde auf einer brücke beginnen
über dem fluss. der seine
quelle sucht

meine tasche. angefüllt
mit unverbrauchten stunden

heute abend werde ich beginnen
mit der leeren seite. die du
bewohnst

mit meinem atem. der sich
führen lässt –
von deinem

II

vielleicht vergaßen wir. dass einsamkeit
nur nach jemanden sucht mit dem sie
gemeinsam klagen kann

beginnen. endlich beginnen
& die blender im herzen
ignorieren

III

heute abend werde ich beginnen

trotz meiner unbeholfenen worte
trotz des lebens. das mit dem wind davon zu schweben scheint
trotz der wolken. die alten kummer über den himmel streuen

ich werde beginnen & an eine liebe glauben
die allen schmerz überstanden hat
so wie dieses gedicht  –

wie es sich vom ersten wort an erinnert
an das, was bestand hat

so wie dieser fluss. der unablässig
durch unsere hände fließt

so wie Rodin´s liebende sich
eng & verzweifelt umarmen

& dabei von Gottes hand
gehalten werden

© Rea Revekka Poulharidou

es war einmal krieg

durch den stacheldrahtzaun
schlich sich die nacht

der mond blutverschmiert
zerfetzter wolkenkranz

mancher versteckte sich
hinter parolen

an welchem ort das geschah?
nimm diesen oder jenen. es ändert sich nicht viel

an manchen tagen wanderten die schatten
vermisster freunde über den hof

männer standen um atemwolken
so viele leere räume in ihren herzen

der himmel war verloren
hoffnungslos

wahrheit. sie hoffte wie ein
flutüberlebender auf dem hausdach

nach dem letzten schuss blieb die kugel
in der luft stehen. für jahrzehnte

das alles könnte auch der junge dort erzählen
er spielt ball. in dem hof. den es nicht mehr gibt

unter den steinen liegen geschichten
es war einmal krieg

sie denken
alles sei vorbei

© Rea Revekka Poulharidou

was du dir wünscht

dich umgibt alles. von dem du dachtest
es sei nötig

ein gesicht. ein raum. ein bild

allem gabst du namen
jetzt rufen sie nach dir

doch was du dir wünscht
bleibt namenlos

es berührt dich nachts. verschleiert
in deinen träumen

du öffnest die arme. das herz
lässt sich fallen

aufgewacht erinnerst du dich an nichts
der traum jedoch erinnert sich an dich

er ist da. den ganzen tag
wie ein same in der erde
wie die sonne mitten
in der nacht

© Rea Revekka Poulharidou

schaltsekunde

zeitungen berichten wissenschaftler haben
unserem leben erneut eine sekunde dazu addiert

wie viele solcher sekunden häuften sich bereits an?
was tun mit dieser ganzen zeit?

der regen schwemmt das trockene laub fort
fische steigen an die oberfläche. durchbrechen sie aber nicht

ein mann versucht mit einem netz
das reflektierte licht zu fangen

in dieser zeitung findest du alles womit du
die zusätzliche sekunde füllen könntest

aber nicht. wie sich die zeit manchmal versteckt
als sei sie im kokon einer seidenraupe eingewoben

es sind die besonderen momente in unserem täglichen leben
so unwirklich wie der aufgewirbelte wind in den kirschblüten

eingeschlossen in einer dieser extra sekunden

wie ein brief in der hand
wie ein kuss in einem wort
wie dein atem in meinem

© Rea Revekka Poulharidou