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orangenblüten

orangenblüten legten spuren
auf dem boden des herzens

& die präludien ließen träume zurück
auf dem kalkweiß einer mauer

& dort weiter unten. bäume. silber
dann nicht mehr silber. wind

& du sitzt dort
im flackernden grün
entspannt

blätter rauschen im wind

die welt ist dir nichts
die musik ist dir nichts
die nachmittagsruhe. nichts

nur der wind
wie er sich bewegt
durch den silbernen glanz

& die orangenblüten
auf den weichen steinen
als seien sie gedichte

© Rea Revekka Poulharidou

november

by Rea Revekka Poulharidou

das licht. winterlicht
du spürst es. noch bevor du
die augen öffnest

jetzt ist es zu spät. dich
vorzubereiten. auf diese graue
fantasielose traurigkeit
die den raum ausfüllt

es ist noch nicht winter. doch
das licht ist es.
winterlicht

& du bist allein.

schließlich stehst du auf
bemerkst wie dich dein körper
trägt & hast nicht das herz
sein einsames leben
zu verfluchen
sein leiden
an kälte
an winterlicht
das durch jede ritze dringt

& dann umarmst du ihn
so fest. wie  jemanden
der zu dir kommt

mitten in der nacht
unter tränen

© Rea Revekka Poulharidou

nachtspaziergang

by Rea Revekka Poulharidou

ein großer goldbrauner falter
mit je einem auge auf jedem flügel
schläft. im herzen einer sonnenblume

ab und an bewegen sich seine fühler. kreisen –
er & ich sind allein. auf dieser kaum beleuchteten straße

seine fühler. vielleicht bewegt sie der wind
oder meine anwesenheit. die er in seiner
entrücktheit wahrnimmt

unfähig sich zu entscheiden ob jemand
wirklich hier ist oder nicht. verbunden

mit einem völligen desinteresse. da er ihn
gefunden hat. seinen goldenen tempel
mit den millionen räumen

dämmerung. blau in der ferne
es hellt auf –

bald ist sie vorbei
die nacht

& ich möchte
dies alles nicht beenden

letztlich gehe ich zurück
ins haus.

betrachte dich. sehe

wie sich die goldenen blütenblätter
deiner augen bewegen. kreisen
sich öffnen

weite pupillen
begegnen einander
unentschieden

wer oder was wir
wirklich sind

© Rea Revekka Poulharidou

du fragst

by Rea Revekka Poulharidou

du fragst ob ich dich liebe –
jedes wort ist eine kreuzung

manche wege verlieren sich in der dunkelheit
auf der straße des herzens gibt es barrikaden
nie hätten wir sie erahnt

die liebe sitzt im boot mit allen anderen
flüchtlingen. der wind führt das steuer

wie schnell kann sie sich auflösen
eine kreidezeichnung im regen
jeder kuss ein verlust

liebe. sehen
kannst du sie nicht
ohne zu sterben

© Rea Revekka Poulharidou

beginn & ende

by Rea Revekka Poulharidou

warm & mild ist der abend
majestätische wolken
auf blauen thronen

vorbehaltlos schlängelt sich
der fluss unter der
brücke

es ist eine gnade
betrachter dieser
szenerie zu sein

gleich mich mit diesen worten aus

sagte ich sie je zuvor?
genauso sagte ich sie.
sagte sie.

werde ich sie je wieder sagen?
wer weiß, was der kummer
in unser herz schnippt

ich schrieb über den vollmond
halbmond viertelmond
neumond

heute ist wieder vollmond &
ich werde ihn nicht betrachten

alles hat ein ende
& einen beginn

bring das gleichgewicht zurück Herr
schick es zurück
an den beginn

© Rea Revekka Poulharidou

am morgen

verbirgst dein gesicht in meinem nacken
verbirgst deine hände in meinem haar

verbirgst deine lippen auf meinen lippen
hältst sanft meine worte auf –

verbirgst den raum im raum
um deine tausend flügel

engel ein neuer tag bricht an
verbirg nicht dein weinen

leg mir salzperlen
auf die zunge

© Rea Revekka Poulharidou