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da ist ein weg

jenseits des sees
vier oder fünf berge
rostrot im dämmerlicht

berge
versunken
im vorspiel
der nacht

da ist ein weg hinter dem dunkel
er führt durch fülle & leere

da sind flüsse & wasserfälle
tausende kilometer
unter dir

zufriedenheit kommt
in kleinen schritten

launen kommen & gehen
doch eines bleibt

stille. wir alle teilen sie

wurzel & ast. rose & granatäpfel
wir können nicht genug bekommen
wir können nicht

manche sagen. schönheit ist
der feind des ausdrucks

andere sagen. ausdruck ist
der feind der schönheit

der schöpfer sagt.
geflügelte worte sind weder kunst
noch schönheit

geh langsam. geh schneller
geh.
du hast alles gesagt

© Rea Revekka Poulharidou

liebe verstehen

ich stelle mir vor, wie du
der beginn dieses gedichts bist

ich stelle mir vor. wie der regen es
an dein fenster schreibt

wie deine haut den duft
der erde atmet –

liebe verstehen

es genügt nicht
die wertvollsten gärten unserer hoffnung
in den himmel zu säen

es genügt nicht
die zukunft aus der blüte
einer rose zu lesen

liebe verstehen

in der art wie dornen
ihre rose beschützen

nicht zulassen. dass der mond
seinen schläfrigen kopf
auf unser dach legt

& unsere worte
im nachthimmel
verglühen

ihnen folgen. wo immer sie auch hinführen
alles hören. wie den pfeil
bevor er trifft –

unser herz schälen
schicht für schicht

sehen
was darunter
liegt

herz
unter
herz

© Rea Revekka Poulharidou

kaleidoskop

du schreibst das wort
auf ein blatt papier
radierst es aus

ein glücksbringer
hinterlässt eine spur

hebst du eine muschel
strömt das meer aus deiner
hand

drehst du dich um
spannt sich ein regenbogen
über die berge

sehnsucht angst erwartung
bunte glassteine

im kaleidoskop

dampf über
einer heißen quelle
dunst über dem fluss

& plötzlich bist du in
einer belebten einkaufsstraße

suchst nach glasperlen
hältst sie gegen das licht
& alles

alles fängt feuer

© Rea Revekka Poulharidou

weg

der weg einwärts ist immer länger
als der weg auswärts. auch wenn es
derselbe ist

ich möchte einen alten weg finden
einen weg des alten jahrhunderts
überwachsen & kaum erkennbar

ich will ihn im süden haben
einen mauleselpfad
in den bergen

oleander
wilde früchte
thymian überall

olivenbäume
auf dem weg

warmes licht lobeerbüsche
klatschmohn

der pfad führt bergab
ich folge ihm

er führt hinab &
verschwindet

ich folge
ihm

© Rea Revekka Poulharidou

süden

straßen fließen
in den himmel

hinter dem hügel
geht die sonne unter
rot

blaue
violette schleier
dort. sehr nah

über den häusern wolken –
wattebäusche mit brilliantrand
berühren beinahe die dächer

das licht
verweilt an den straßenecken
verfängt sich auf balkonen
zieht unwillig weiter

der himmel
berührt alles
tritt überall ein

was soll ich nur tun
mit so viel blau
so viel rot?

© Rea Revekka Poulharidou