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unter dem gewicht der sonne

jedes gedicht dreht sich
um zeit

jede nacht umarmst du mich
behutsam zärtlich

& unter dem gewicht
der sonne

löst du dich am morgen
sanft von meiner brust

ein tag mehr ist ein tag weniger

seit wochen schreibe ich
diese zeilen

mit einem bleistift
aus regen

er verschmiert
mein gesicht

er spricht die sprache
in der nichts bestand hat –

das licht kennt diese sprache nicht
in den kleinsten ritzen unserer worte

weiß es nur
zu leuchten

© Rea Revekka Poulharidou

im reich der poesie

ich mag es hier
unter dem dach
der platanen & linden

ich mag es
wie der wind die bäume wortlos entkleidet
wie sich licht & laub endlos wiederholen

ich mag es
weil ich hier lieber bin
als anderswo & weil
ich sie liebe –

die eigenwilligkeit
den zauber der sprache
ihr geist ist überall

in meinem haus leben bilder
sie malen sich selbst

im garten wächst der baum
meiner liebe

über dem himmel
wölben sich weitere himmel

& dieser reichtum
kennt keine
grenzen

© Rea Revekka Poulharidou

wortlos

wortlos
nähere ich mich
worten

absolut unfähig
zu sagen. genau
zu sagen

wie es ist
wie du bist

ein vogel
von unwahrscheinlichem
reichtum

fast unerkannt
als eine
unter uns –

in stimme & gestalt
eine seltenheit
in der alles ist

alles
was ich nach & nach erkenne

alles
was noch geformt werden kann

was sich selbst formt &
form annehmen wird

ein flüstern im wind
pausen aus stille

& die auflösung des raums

meine hand bewegt diesen stift
über das papier

mein mund formt sich
in erinnerung an dich

meine augen
erinnern sich

puls meines herzens
weitet. zieht sich
zusammen

eingeatmete luft
ausgestoßen

über diese worte
wortlos

ein akt
weiter
zu gehen

ein akt
zu sein

© Rea Revekka Poulharidou

Vernissage & Lesung: Hinter dem Fenster, 12. Mai 2017, Berlin

Vernissage und Lesung, Anja schwenke und Rea Revekka Poulharidou, Berlin

Vernissage und Lesung: Anja Schwenke und Rea Revekka Poulharidou, Berlin

Fotografie:  PHOTO MOTIF – Anja Schwenke / www.photo-motif.com
Lyrik: Rea Revekka Poulharidou / www.rea-poulharidou.de

Lesung zur Vernissage: Rea Revekka Poulharidou

Daten
Vernissage: 12. Mai, 19.00 Uhr
Finnisage: 12. Juli, 19.00 Uhr

Ausstellungs- und Veranstaltungsort
Ulrichs – Café, Küche und Kultur
Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße 11
10787 Berlin

Öffnungszeiten
Dienstag – Donnerstag: 11.00 – 18.00 Uhr
Freitag: 11.00 – 22.00 Uhr
Montag & Wochenende: geschlossen

Eintritt frei

Registrierung für die Vernissage
ist nicht erforderlich, aber die Anmeldung über Facebook wäre toll:
https://www.facebook.com/events/380953858971517/

INFORMATIONEN

‚hinter dem fenster‘ ist die Fortsetzung eines Ausstellungsprojektes, welches letztes Jahr im Januar mit dem Titel „bewegen uns verschlungen“ begonnen wurde und dieses Jahr zum zweiten Mal stattfindet.

Bei der Serie geht es um Bilder passend zur Poesie oder Poesie passend zu Bildern. Je nachdem, welchen Standpunkt man vertritt.

Anja Schwenke stellte letztes Jahr ihre Bilder gemeinsam mit dem Poeten Jürgen Hofstetter aus, wobei Bilder und Texte unabhängig voneinander entstanden und erst für die Ausstellung zusammengefügt wurden.

Dieses Jahr stellt Anja Schwenke ihre Fotografie gemeinsam mit mir und meiner Lyrik aus.

Ich freue mich sehr, euch am 12. Mai in Berlin zu sehen!

Eure
Rea Revekka Poulharidou

lyrikvorlesung

by Rea Revekka Poulharidou

wir lasen gedichte
stapelten bücher vor uns auf

die köpfe in den seiten versunken
oder den blick aufwärts gerichtet

lasen uns vor. hörten
gefangen im wie. übersahen das warum

dein gesicht –

du runzeltest weder die stirn
noch nicktest du

undurchschaubar
kerzengerade

eine anwesenheit wie die eines steins
als dächte der stein

alles was ich nicht sage
bin ich

© Rea Revekka Poulharidou

wer hört uns, wenn wir reden?

wie lange singt das rotkehlchen bereits
während ich darüber nachdenke
was du sagtest?

sein rufen kommt vom garten gegenüber
verwildert ist er schon seit jahren

der gesang wird zum ende hin langsamer. als sei
sein anfang zugleich der beginn eines verlusts

so oft erscheint vieles einfach und reicht doch nicht aus –
wir driften auseinander. zwei boote in derselben strömung

ich will glauben, dass immer jemand hört
solange wir reden.
nichts ist jemals zu ende

entfernung erkennen wir erst dann
wenn wir die hand ausstrecken
ob zum trost. ob aus liebe

so viele worte – dabei will ich nur eines sagen
ich bin hier. und

ich schreibe gegen den beginn des verlusts an
schreibe gegen das drohende schweigen an

indem ich das lied dieses unglaublichen vogels bemühe
nur um zu sagen, was es hieße. wenn wir gehen

© Rea Revekka Poulharidou