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saudade

du löschtest
das licht

seitdem vergingen einige sommer
unsere briefe. irgendein fluss
trug sie fort

nur aus gewohnheit
erzähle ich dir manchmal
von einem freund, einem park
einem buch –

meine tage & nächte sind der fado
eine unaufhörliche saudade
eine erinnerung an etwas
das hätte sein können

doch niemals
geschah

© Rea Revekka Poulharidou

sternstunde

wir fanden einen weg
zu den sternen

hinter der silhouette
des monds

wolken ruderten
voran

der anfang einer geschichte
geschrieben mit silberner schrift

was auch immer geschehen sollte
es geschah noch nicht

blauer himmel
blaue unendlichkeit
blau über der erde

warum geschehen die großen dinge
nur so weit entfernt von uns?

© Rea Revekka Poulharidou

du fragst

du fragst ob ich dich liebe –
jedes wort ist eine kreuzung

manche wege verlieren sich in der dunkelheit
auf der straße des herzens gibt es barrikaden
nie hätten wir sie erahnt

die liebe sitzt im boot mit allen anderen
flüchtlingen. der wind führt das steuer

wie schnell kann sie sich auflösen
eine kreidezeichnung im regen
jeder kuss ein verlust

liebe. sehen
kannst du sie nicht
ohne zu sterben

© Rea Revekka Poulharidou

perseiden

Göttervater Zeus begehrt Danae und findet durch das Dach ihres Gefängnisses Zugang zu ihr, indem er sich in einen goldenen Regen verwandelt.

wir liegen im gras
unter einem himmel
sternenbedeckt

warten

bis es gold regnet
bis wir durchtränkt sind
von licht & nacht

& nichts anderes
begehren
als das

was Zeus & Danae
begehrten

© Rea Revekka Poulharidou

ansichtskarte

ansichtskarte - Briefgedicht von Rea Revekka Poulharidou

ansichtskarte (70)

ich denke an dich
was sollte ich sonst schreiben?

das meer auf der ansichtskarte
ist der wahnsinn. auch der sand
die luft duftet nach pfirsichen
& honigmelonen

blau. überall. kaum fassbar
zeit kommt hier in wellen
ich bin zeitkrank

ich stehe auf. sie nennen es aufwachen
lege mich nieder. wickle mich ein
in die sehnsucht der nacht

aus dieser ferne bist du eine fata morgana
ein flirrendes bild auf der vorderseite
dreh dich um. lies meine worte

liebe kommt in wellen
immer & immer
wieder

© Rea Revekka Poulharidou

nicht weit von hier

nicht weit von hier
ein meerblaues haus

dort leben wir
du & ich

im garten blüht ein baum
unvergänglich weiß

unter seinen zweigen
liegen wir im gras
erzählen uns

wie wir einst
in magischen welten
lebten

gaukler waren
bettler könige –

du lachst.
nichts davon ist wahr.
nie begegneten wir einander.

doch an tagen wie heute
wenn alles fehl am platze scheint
stelle ich mir das alles vor

&

wenn du
für einen moment
inne hältst

die augen
von diesen zeilen
hebst

siehst du vielleicht
auch dasselbe
wie ich

© Rea Revekka Poulharidou