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sonne und liebe

den sonnenuntergang betrachten
wenn nichts anderes zu sehen ist als licht

licht. sehen kannst du es nicht wirklich
es ist vielmehr eine zarte blindheit –

später kehrst du in die welt zurück
unbeschadet aber doch verändert

das große rad drehte sich weiter. fast unbemerkt

nichts ist so weit weg wie die liebe
und nichts ist so nah wie sie

sie blendet nicht
verbrennt nicht

etwas bewegt sie & du hoffst
in deine richtung

© Rea Revekka Poulharidou

nebeltaten

als schwebten die berge
über dem nebel

der see angefüllt
mit leere

spinnen weben
silbernetze

der schatten der möwe
näher als die möwe

wie einfach gehst du doch
den eigenen worten
in die falle

in diesem frühling haben es die bäume schwer
glück zu buchstabieren

die richtigen worte kommen oft zu spät

waffenruhe
nach dem tod tausender menschen

krieg kennt kein ende
nirgends

jede gräueltat beginnt
mit dem kleinsten verstoß

hast nicht auch du etwas getan
das du verschweigst?

der nebel auf dem papier
lichtet sich

schreib worte, die keine angst haben
gehört zu werden

© Rea Revekka Poulharidou