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lyrikvorlesung

wir lasen gedichte
stapelten bücher vor uns auf

die köpfe in den seiten versunken
oder den blick aufwärts gerichtet

lasen uns vor. hörten
gefangen im wie. übersahen das warum

dein gesicht –

du runzeltest weder die stirn
noch nicktest du

undurchschaubar
kerzengerade

eine anwesenheit wie die eines steins
als dächte der stein

alles was ich nicht sage
bin ich

© Rea Revekka Poulharidou

feuer

ein feuer in den augen
und auf meiner haut
die wärme eines
sterns

eigenartig ist es
so eigenartig dass ich es
kaum verstehe

ich will den blick heben
hebe den blick
und plötzlich

verwandelt sich
alles lebendige
& alles ist lebendig
in etwas anderes

als fiele es in den kern
von etwas vernichtendem
oder etwas erschaffendem

feuer

brennt unsichtbar immer
in einer geschwindigkeit dass
kein auge es wahrnimmt

versuch nur im spiegel
dein gesicht altern
zu sehen
oder
ist es
der beginn
seiner geburt?

© Rea Revekka Poulharidou

nächte

da sind nächte
in den wäldern der worte
in denen ich angst habe

wo mich jeder schritt in ein
dickeres dickicht treibt

der einzige weg hinaus
ist stille

da sind nächte
in den wäldern der worte
in denen ich angst habe

dass wir einander nicht hören
durch das knacken der zweige &

durch unserer beider stimmen
wenn wir uns rufen

© Rea Revekka Poulharidou